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Gründungsimpuls der Freien Waldorfschule Everswinkel

Es war einmal eine Mutter. Die hatte eine Tochter. Die sollte eingeschult werden. An sich ja nichts Ungewöhnliches. Nun kam aber für die Mutter absolut und ganz und gar nur eine Waldorfschule in Frage. Also meldete sie ihre Tochter an der nächstgelegenen Waldorfschule an. Bald schon trat die bittere Wahrheit zutage: Den weit über hundert Anmeldungen standen nur rund vierzig Plätze in der nächsten ersten Klasse gegenüber. Für die Tochter wie auch für viele andere Kinder war schließlich kein Platz übrig.

Eine Lehrerin der überfüllten Waldorfschule schlug der enttäuschten Mutter vor, selbst eine Waldorfschule zu gründen, damit dort ihre Tochter Platz fände. Diesen Vorschlag empfand die Mutter keineswegs so abstrus wie manch einer denken könnte. Schließlich hatte sie gerade erst zusammen mit anderen Menschen selbst eine Waldorf-Kindertagesstätte gegründet. Allein – sie fühlte ihre Kräfte durchaus erschöpft und sich nicht in der Lage, nach der Kita nun auch noch eine Schule auf den Weg zu bringen.

Nein – keinesfalls wollte sie selbst eine Waldorfschule gründen. Die Mutter suchte nach Alternativen und mag versucht haben, sich mit ihnen anzufreunden. Wohnortwechsel? Regelschule? Nichts von alledem. Sie konnte sich ihre Tochter nur in einer Waldorfschule denken.

Schließlich schrieb sie einen verzweifelten Brief an die überfüllte Waldorfschule. Nun sind in der Menschheitsgeschichte schon ungezählte verzweifelte Briefe geschrieben worden. Der verzweifelte Brief unserer Mutter war aber sicher ein Prachtstück seiner Art. Allein seine Niederschrift war von Haareraufen, Händeringen, Selbstgesprächen, Zwiegesprächen und nicht zuletzt reichlich Tränenfluss begleitet. Inmitten überbordender Ausweglosigkeit erschien der Mutter dieser Brief als allerletzte Hoffnung.

Und? Glauben Sie an Wunder? Ja? Nein? Ein bisschen vielleicht? Wie dem auch sei. Die Tochter bekam schließlich doch noch eine Zusage für einen Platz an der Waldorfschule und hat dort inzwischen ihr Abitur gemacht.

Interessant bliebt für uns indes die Wirkung, welche die so sehr ersehnte Zusage damals, 1995, auf unsere hartnäckige Mutter hatte. Kaum nämlich war die erlösende Nachricht ins Haus geflattert, kaum hatte die Mutter einen – wie Sie glauben dürfen – unbeschreiblichen Freudentanz vollführt, wurde ihr klar: Jetzt gehe ich auf die Suche nach Menschen, mit denen zusammen ich selbst eine neue Waldorfschule gründe.

Gesagt, getan!

 

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Stuttgarter Erlärung – Waldorfschulen gegen Rassismus


 

 

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