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Von Stillkisten, Archehöfen und Achatschnecken
Die Landwirtschaftspraktika der 9. Klasse

Bei tropischen Temperaturen berichteten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse am Montag, den 29. Mai über ihre dreiwöchigen Landwirtschaftspraktika.

Lothar Schültken-Schnock hieß die Gäste im großen Eurythmiesaal willkommen. Er betonte, dass die Praktika in diesem Jahr besonders harmonisch verlaufen seien. Es habe ihm viel Spaß gemacht, die Betriebe zu besuchen und die Rückmeldungen der Betriebe über die Praktikanten zu hören. Das Wetter habe er eigens bestellt, um den Zuhörern die Klimazone Israel vorzuführen, meinte Herr Schültken Schnock augenzwinkernd – denn zwei Schüler der Klasse hatten das Praktikum in einem Kibbuz in Israel verbracht.
Die Praktikanten ihrerseits berichteten den interessierten Hörern von ihren Betrieben und Erlebnissen. Tatsächlich waren die Arbeitsplätze sehr vielfältig: vom Therapiehof für psychisch kranke Menschen über einen Hof, der Demeter Saatgut erzeugt bis zum genannten Kibbuz in Israel – das Spektrum war außergewöhnlich groß.
Aber auch die Erlebnisse waren vielfältig. Nicht weniger als der Kreislauf des Lebens wurde erfahren und vermittelt. Manche Schüler erlebten die Geburt wie auch den Tod von Tieren, nahmen teil an Wachstum und Verwertung der Pflanzen und Tiere. Sie lernten dabei viel über Sinn, Achtung, Wertschätzung, aber auch Sorge und Mühsal in der täglichen Arbeit auf einem Hof kennen.
schweinMindestens drei der Praktikumsbetriebe arbeiten mit der Selbstvermarktung mittels der Gemüse-Abo-Kiste. Da wurde auch die Stillkiste erwähnt – vielleicht eine Kiste für Ruhebedürftige? Nein, der Praktikant konnte es den Zuhörern erläutern: eine Auswahl an Gemüsen und Obst ohne blähende Sorten wie Knoblauch, Kohl oder Zwiebeln für stillende Mütter.
Ausnahmslos alle vortragenden Schülerinnen und Schüler konnten den drei Wochen viel Positives abgewinnen und ihre Betriebe weiterempfehlen. Viele betonten besonders die freundliche und liebevolle Aufnahme in die jeweiligen Familien oder Lebensgemeinschaften. Sicherlich werden diese drei Wochen allen noch lange im Gedächtnis bleiben.
Nicht immer war die Übernachtung auf dem Hof möglich. Ein Schüler musste täglich einen langen Weg zum Praktikum per Rad, Bus und Bahn bewältigen. Geschadet hat es ihm offenbar nicht.
Den weitesten Weg machten zwei Schüler der Klasse mit ihrer Reise in einen israelischen Kibbuz. Durch in Israel lebende Familie war ein Kontakt zu Gasteltern leicht geknüpft und Unterbringung und Verständigung nicht so schwer. Die Arbeit bei 40 Grad im Schatten war anstrengend aber die Erlebnisse im Land und unvergessliche Ausflüge entschädigten für manche Strapaze.
Das Arbeiten mit der Natur, mit dem Kreislauf aus Wetter, Jahreszeiten, Säen und Ernten ist noch verbunden mit einem Rhythmus, den wir im Alltag oft nicht mehr erleben. Die streng definierte Arbeitszeit, die sich nach den Bedürfnissen der Tiere oder den Anforderungen des Wetters und nicht nach Bürozeiten, Urlaub oder Öffnungszeiten richtet, gab den Jugendlichen einen guten Eindruck von Struktur, Klarheit und Verbindlichkeit. Außerdem haben die meisten nun einen Eindruck von der Mühe und Sorgfalt gewonnen, die in jedem Saatgut, Getreidekorn oder Hähnchenschenkel steckt, in den man genüsslich beißt. Sicher wirkt dieses Wissen auch im Hinblick auf Verantwortung mit unseren Verbrauchsgütern und deren Wertschätzung nach. Einige Schüler haben ganz bewusst dem Schlachten der Tiere beigewohnt und bewusst diesen Vorgang begleitet und erlebt.
Das Tiere aber auch Therapeuten sein können, berichtete eine Schülerin sehr ausführlich und anschaulich. Sie verlebte ihr Praktikum auf einem Therapiehof, wo geistig Behinderte und psychisch Kranke mit der Hilfe von Tieren behandelt werden.
Neben Eseln, Kaninchen und Schafen wird sogar mit einer Schneckenart gearbeitet, deren Schleim beruhigend wirken soll, wenn er mit der Haut in Berührung kommt. Die Schülerin hat es selbst ausprobiert – das hätten viele Zuhörer wohl nicht getan!
Artenvielfalt ist sicher auf jedem Hof ein Thema gewesen. Dass die Artenvielfalt immer weiter abnimmt, ist vielen Menschen bekannt. Die Praktikanten auf dem Archehof konnten anschaulich erleben, was für ein Artenreichtum jenseits des Massenkonsums besteht. Dort wurden viele verschiedene Rassen vor allem von Vogelarten aber auch besondere Schaf und Schweinearten gehalten und somit bewahrt.
Die Zeit verging wie im Flug und auch wenn der Schweiß in Strömen floss (die Pause wurde vor allem zum Erfrischen und Erholen verwendet, leider kaum zum Bewundern der schönen Ausstellungstische der Praktikanten) haben wohl alle die Präsentation sehr genossen – nicht zuletzt die Eltern, die ihre ge- und erwachsenen Kinder gereift und bereichert bewundern konnten.
Einige beschriebene Höfe:
www.dreschflegel-saatgut.de/hoefe/telgte
www.gehoeftoase.de
www.oekullus.de/oekullus-die-biofrische-gruene-kiste.html

Dorothee Stattmann, Foto: Gehöftoase

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